Eine Domain zu löschen klingt endgültig, ist es aber erst mal nicht. Zwischen der Löschung einer .de-Domain und dem Moment, in dem sie jemand anderes registrieren kann, liegen 30 Tage, in denen die Domain in einer Art Schwebezustand hängt. Diese Phase heißt Redemption Grace Period, kurz RGP, auf Deutsch etwa Wiederherstellungs-Karenzzeit. Wer verstehen will, wie man an gute gebrauchte Domains kommt oder wie man eine versehentlich gelöschte Domain rettet, muss diese 30 Tage verstehen. Gehen wir das Schritt für Schritt durch.
Wie eine .de-Domain überhaupt gelöscht wird
Am Anfang steht immer eine Löschung, und die passiert auf zwei Wegen. Entweder kündigt der Inhaber die Domain aktiv, etwa weil das Projekt eingestellt wird oder die Firma den Namen wechselt. Oder der Provider löscht die Domain, was in der Praxis der häufigere Fall ist: Die Rechnung bleibt offen, Mahnungen verpuffen, irgendwann zieht der Provider den Stecker. Auch beim Tod des Inhabers oder bei der Auflösung einer Firma landen Domains früher oder später in der Löschung, wenn sich niemand kümmert.
Wichtig zu wissen: Mit der Löschung verschwindet die Domain aus der .de-Zone. Die Website ist ab diesem Moment nicht mehr erreichbar, E-Mails an die Domain kommen nicht mehr an. Für Außenstehende sieht die Domain tot aus. Bei der DENIC ist sie aber noch nicht freigegeben, und genau hier beginnt die RGP.
Die 30 Tage Karenzzeit: eine Versicherung gegen Versehen
Die DENIC reserviert jede gelöschte Domain für 30 Tage. In dieser Zeit kann ausschließlich der bisherige Inhaber die Domain zurückholen, im Fachjargon heißt das Restore. Niemand sonst kommt an die Domain ran, auch nicht mit dem schnellsten Registrierungs-Skript der Welt.
Der Sinn dahinter ist simpel und ziemlich vernünftig: Löschungen passieren oft aus Versehen. Eine übersehene Rechnung, ein Missverständnis beim Providerwechsel, ein Häkchen an der falschen Stelle im Kundenmenü, und plötzlich ist die Firmen-Domain weg. Ohne Karenzzeit wäre sie am nächsten Morgen von einem Fremden registriert, und der Schaden für ein Unternehmen wäre enorm. Die RGP ist also eine eingebaute Versicherung: 30 Tage Zeit, den Fehler zu bemerken und zu korrigieren.
Der Restore läuft über einen Provider. Der bisherige Inhaber beauftragt seinen alten oder einen neuen Anbieter, die Domain aus der RGP zu holen. Die meisten Provider berechnen dafür eine Gebühr, die je nach Anbieter zwischen wenigen und mehreren Dutzend Euro liegt. Teuer wird es also nicht, aber schnell sollte man sein, denn die Frist läuft ab dem Löschtag und lässt sich nicht verlängern.
Woran du eine Domain in der RGP erkennst
Von außen wirkt eine RGP-Domain zunächst verwirrend. Fragst du sie bei der DENIC ab, gilt sie noch als vergeben, denn freigegeben ist sie ja nicht. Gleichzeitig ist sie nicht konnektiert: keine Nameserver, keine Website, keine E-Mails. Genau diese Kombination ist das Erkennungszeichen. Eine normale, aktive .de-Domain hat immer Nameserver, das verlangt die DENIC. Eine Domain, die als vergeben gilt, aber keine hat, steckt mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Löschphase.
Unser Domaincheck erkennt diesen Zustand automatisch und sagt dir klipp und klar, dass die Domain gerade in der Karenzzeit hängt, keinen Inhaber mehr hat und in den kommenden Wochen frei wird. Das erspart dir das Rätselraten über widersprüchliche Statusanzeigen.
Der Drop: Was nach Ablauf der 30 Tage passiert
Meldet sich der alte Inhaber nicht, gibt die DENIC die Domain nach Ablauf der Frist endgültig frei. Dieser Moment heißt in der Szene Drop, und er hat es in sich. Die Freigabe passiert nachts, in der Regel zwischen 2 und 4 Uhr, und zwar in zufälliger Reihenfolge. Niemand weiß auf die Sekunde genau, wann eine bestimmte Domain fällt.
Ab dem Drop gilt das älteste Prinzip des Internets: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Bei den allermeisten Domains interessiert das niemanden, sie bleiben monatelang frei. Bei guten Namen sieht das anders aus. Kurze, prägnante Domains werden oft in der Sekunde der Freigabe von spezialisierten Diensten registriert, die rund um die Uhr auf genau diesen Moment warten. Wer eine begehrte Domain aus der RGP haben will, hat manuell praktisch keine Chance und braucht einen Backorder-Dienst, der das Rennen automatisiert bestreitet.
Was das für dich praktisch bedeutet
Je nachdem, auf welcher Seite du stehst, heißt die RGP zwei verschiedene Dinge. Als Inhaber ist sie dein Sicherheitsnetz: Wenn deine Domain versehentlich gelöscht wurde, gerate nicht in Panik, sondern kontaktiere sofort deinen Provider und beauftrage den Restore. Innerhalb der 30 Tage ist der Fall fast immer zu retten.
Als Interessent ist die RGP dein Frühwarnsystem. Domains in der Karenzzeit sind die Kandidaten von übermorgen. In unserer Übersicht der gelöschten Domains siehst du, welche Adressen gerade durch die RGP laufen und wann sie voraussichtlich frei werden. Und in der Liste der freigewordenen .de-Domains stehen die, die es bereits durch den Drop geschafft haben und ab sofort registrierbar sind.
Sonderfälle: AuthInfo2, Dispute und der Verzicht
Ein paar Sonderfälle solltest du kennen, weil sie den Zeitplan durcheinanderbringen können. Der wichtigste heißt AuthInfo2. Das ist ein Passwort für den Providerwechsel, das die DENIC auf Antrag erzeugt und dem letzten Domaininhaber per Einschreiben zuschickt. Wird während der Karenzzeit ein solches Passwort angefordert, verschiebt sich die Freigabe, die Uhr läuft dann neu ab der Einrichtung des Passworts. Für Wartende heißt das: Der Droptermin ist eine Prognose, keine Garantie. Eine Domain kann später fallen als gedacht oder gar nicht, wenn der alte Inhaber sie doch noch rettet.
Der zweite Sonderfall ist der Dispute-Eintrag. Wer einen rechtlichen Anspruch auf eine Domain hat, etwa aus einer Marke, kann bei der DENIC einen Dispute eintragen lassen. Endet die Registrierung einer Domain mit Dispute, geht sie nicht in die RGP, sondern direkt an den Inhaber des Eintrags über. Gegen einen Dispute hilft also auch der schnellste Catcher nichts. Und schließlich kann der alte Inhaber schriftlich auf die Karenzzeit verzichten, dann wird die Domain früher frei als nach 30 Tagen. Selten, aber es kommt vor.
Häufige Fragen
Kann ich eine Domain kaufen, die in der RGP steckt?
Nicht direkt. Während der Karenzzeit hat nur der bisherige Inhaber Zugriff. Du kannst aber einen Backorder-Dienst beauftragen, der die Domain im Moment der Freigabe für dich registriert, oder du versuchst es nach dem Drop selbst beim Registrar deiner Wahl.
Was kostet es, eine gelöschte Domain zurückzuholen?
Das legt der jeweilige Provider fest. Die Spanne reicht von kostenlos bis zu einer Gebühr von mehreren Dutzend Euro. Entscheidend ist die Zeit: Der Restore muss innerhalb der 30 Tage beauftragt werden.
Kann die Karenzzeit verlängert werden?
Nein. Die 30 Tage sind bei der DENIC fest verankert und laufen ohne Ausnahme ab. Danach ist die Domain endgültig frei und der alte Inhaber hat keine Sonderrechte mehr.
Zum Schluss in einfacher Sprache
Wenn eine .de-Domain gelöscht wird, ist sie nicht sofort weg. Sie kommt erst in eine Wartezeit von 30 Tagen. Diese Wartezeit heißt Redemption Grace Period.
In den 30 Tagen kann nur der alte Besitzer die Domain zurückholen. Das ist ein Schutz. Denn manchmal wird eine Domain aus Versehen gelöscht, zum Beispiel wegen einer vergessenen Rechnung.
Meldet sich der alte Besitzer nicht, wird die Domain nach 30 Tagen frei. Das passiert nachts. Ab dann kann jeder die Domain neu bestellen.
Bei beliebten Domains muss man sehr schnell sein. Es gibt Firmen, die das automatisch machen. Solche Firmen nennt man Backorder-Dienste.